Blutig, blutiger am blutigsten

Vor einiger Zeit hat Nina hier und auf ihrem eigenen Blog Libromanie eine Frage aufgeworfen: Warum werden Thriller eigentlich immer blutrünstiger? Damit einher gehen zwei weitere Fragen. Ist das wirklich nötig? Und mögt ihr so etwas überhaupt? Weil es hier auf Crime Time ja auch ab und zu ziemlich blutrünstig zugeht, möchte ich diese Fragen einfach mal an euch weiterleiten. Wie blutig und brutal dürfen Thriller eurer Meinung nach denn sein? Lest ihr das gerne oder ist das der Grund, warum ihr vor diesem Genre zurückschreckt?

Meiner Meinung nach ist blutig nicht gleich blutig. Eine Szene kann noch so brutal und abartig geschrieben sein – wenn die Psychologie dahinter nicht stimmt, dann lässt sie mich kalt. Es kommt eben auf die Charaktere und deren Motivation an. Da können dann auch ganz unblutige Passagen plötzlich ganz schrecklich und zutiefst abgründig werden. Wenn ich einen Thriller lese, dann möchte ich nicht nur Spannung haben. Ich will an die Grenzen meiner Vorstellung geführt werden. Das kann blutig geschehen, ist aber kein Muss. In der Literatur kann man das schließlich auch ohne Einsatz von Körpersäften ausdrücken.

Aber das Empfinden von Blutrünstigkeit ist ja bekanntlich sehr individuell. Nina zum Beispiel waren einige Passagen in Klieschs „Todeszauberer“ zu brutal. Ich hingegen fand den „Todeszauberer“ eigentlich gar nicht so schlimm, weil für mich die Motivation zu plakativ und vorhersehbar war. Deswegen würde mich eben auch eure Meinung interessieren. Wie viel Blut braucht ein Thriller?

Und noch etwas: Ich weiß ja, das nicht jeder Leser so hartgesotten (oder abgestumpft?) wie ich ist. Nach ein paar liebevollen Beschwerden, dass die Bilder auf meinem Blog zu hart für zarte Gemüter wären, werde ich darauf in Zukunft Rücksicht nehmen. Eigentlich mache ich das ja schon seit einer geraumen Weile, falls es jemandem aufgefallen sein sollte. ;-) Aber manchmal, so wie jetzt eben, bietet sich ein Schockerbild ganz einfach an. Die Bestie in mir möchte schließlich auch ab und zu gefüttert werden. Bitte seht mir das nach.

12 Gedanken zu “Blutig, blutiger am blutigsten

  1. Ich lese schon seit geraumer Zeit keine Krimis und Thriller mehr. Eben, weil sie einfach viel zu detailiert jeden einzelnen Blutstropfen und jede Folter im einzelnen beschreiben. Das lässt zum einen kaum noch Raum für die eigene Phantasie und wie ich finde stumpft es mit der Zeit den Leser auch ab.
    Mir zum Beispiel muss nicht erzählt werden wie man eine Augenhöle mit einem Löffel aushöhlt. Da liebe ich doch lieber die alten Thriller und Krimis in denen die Autoren noch ware psychologische Krimis schrieben. Patricia Highsmith zum Beispiel war so eine Autorin.

    Ein Buch welches ich dann doch noch 100 Seiten vor Schluss abgebrochen habe war “Der Kinderdieb”, die Gewalt in dem Buch – die von Kindern ausging war einfach nicht für mich.

    Schöner Artikel übrigens!!
    LG
    Karin

  2. Ui, ein interessantes Thema!
    Ich gehöre ja mehr zu den Memmen! Zu viel Blut, zu viel aufgeschlitztes Fleisch und zu viel Gedärm bekommen mir meist nicht so recht. Andererseits habe ich auch schon Bücher gelesen, aufgrund deren Brutalität viele den Kopf geschüttelt, die mich aber kalt gelassen haben. Vielleicht ist es wirklich so, wie du es auch geschrieben hast, dass die Psychologie dahinter stimmen muss. Das Blut und Gedärm allein machen es nicht aus, es ist eher die Frage, ob die Grausamkeit des Täters authentisch erscheint oder nicht. Und da liegt das Problem meiner Meinung nach auch begraben! Viele aktuelle Autoren stürmen dieses Genre und glauben, sich aufgrund der sehr großen Konkurrent durch besondere Blutrüsntigkeit hervortun zu müssen. Doch das nutzt ihnen alles nichts, wenn die Geschichte an sich nicht stimmig ist!

  3. Ich glaube, im Ganzen bin ich schon sehr hart im Nehmen. Viel Blut macht mir eigentlich nichts aus, doch es kommt darauf an, auf welche Art das Blut verspritzt wird.
    In dem Thriller, den ich gerade lese (Die Chirurgin), kommt ziemlich viel Blut vor – einerseits durch den Täter, andererseits bei Operationen, da eine der Figuren Ärztin ist. Da geht es um rausquellende Darmschlingen, durchbohrte Herzen, durchtrennte Halsschlagadern usw. Das alles macht mir jedoch nichts aus und finde ich bis zu einem gewissen Punkt sogar sehr interessant (medizinisch betrachtet).

    Allerdings gibt es auch Thriller, bei denen die Beschreibungen an meine Schmerzgrenze gehen, weil die Vorgehensweise der Täter absolut pervers ist und – jetzt kommt das Entscheidende – mich betreffen könnten. Gerade bei Misshandlungen von Frauen bin ich empfindlicher, weil ich sie mir geradezu am eigenen Körper vorstellen kann. Die Phantasie kennt keine Grenzen und das wird mir dann zu viel.
    Ein Beispiel dafür sind die Misshandlungen in “Die Blutlinie” oder noch veranschaulichender die Szene aus dem Film “Creep”, wo das Opfer auf dem Gynäkologenstuhl liegt. Das ist echt abartig und bringt mich an meine Grenzen.
    Ähnlich verhält es sich mit Kindesmisshandlung.

    Zuviel Perversität und deren literarische Ausweidung macht einen Thriller für mich qualitätiv schlechter, weil ich dann das Gefühl habe, dass der Autor auf Schocker zurückgreifen muss, um den Leser zu beeindrucken. Viel lieber ist mir das subtil beschriebene Grauen, das sich im Kopf des Lesers entfaltet und seinen Ursprung im Psychologischen findet. Eine kranke, geschundene, verletzte Psyche wühlt mich viel mehr auf als literweise Blut.
    Feine Details überzeugen mich einfach besser als die plumpe Holzhammermethode und in meinen Augen liegt die Kunst des Krimi-/Thrillerschreibens genau darin, ohne abgrundtiefe Perversität eine spannungsgeladene, subtil grauenhafte Atmosphäre zu erzeugen.

    In dem Zuge schaue ich mir auch lieber psychologische Thriller mit unheimlichem Türenknarren, Charakteren, die sich merkwürdig verhalten und furchteinflößenden Schreckmomenten an anstatt Splatterfilme, in denen Unmengen an Innereien rumfliegen, die Story jedoch ziemlich flach ist.

  4. Wirklich gelungener Beitrag! Ich mag es eher weniger wenn Thriller nur noch brutal sind! Die Geschichte hinter “Der Augensammler” find ich zum Beispiel echt eklig!!! Aber ich muss gestehen, ich hab es mir bisher noch nicht durch gelesen. Ich mag es eher, wenn ein Thriller grausam ist, obwohl niemand abgeschlachtet wird, sondern einfach weil der Autor mit der Psyche des Lesers spielt! :) Wenn ein Thriller zum Beispiel blutig ist, obwohl der Leser das sofort nicht mit bekommt! (Das 4. Werk von Herrn Mertin ist so, finde ich). Da wurde zum Beispiel nie geschrieben, das der Hase geschlachtet wurde, aber mit umschreibungen und Parallelen fällt es dem Leser auf..:D Nur um ein Beispiel zu nennen ;)

    LG

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    Jeden Montag neuer Lesestoff

  5. ??? Äh mein PC spinnt gerade, irgendwie wurde ein Post, dem ich bei einem anderen Blog kommentiert habe (über ihn bin ich auf deinen Blog gekommen^^)..mit hinein kopiert..! Sorry für das Doppelgemoppel ;)
    Ich finde im übrigen das Bild für diesen Beitrag genial :D Wo hast du das denn her??

    LG

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    • Hallo Ayanea, ich habe mal den Beitrag für Ailis’ Leseturm (war doch dafür, oder?) rausgelöscht. ;-) Und das Bild ist von aboutpixel.de. Erfährst du auch, wenn du mit dem Cursor drüber gehst. ;-)

  6. “Meiner Meinung nach ist blutig nicht gleich blutig. Eine Szene kann noch so brutal und abartig geschrieben sein – wenn die Psychologie dahinter nicht stimmt, dann lässt sie mich kalt. Es kommt eben auf die Charaktere und deren Motivation an. Da können dann auch ganz unblutige Passagen plötzlich ganz schrecklich und zutiefst abgründig werden. Wenn ich einen Thriller lese, dann möchte ich nicht nur Spannung haben. Ich will an die Grenzen meiner Vorstellung geführt werden. Das kann blutig geschehen, ist aber kein Muss. In der Literatur kann man das schließlich auch ohne Einsatz von Körpersäften ausdrücken.”

    Du sagst es!!!

    Ich lese auch ganz gern mal richtig harte Sachen, weil ich einfach ein ziemliches Interesse an den Abgründen der menschlichen Seele und deren Auswirkungen habe (ich weiß, ich bin für manchen vielleicht krank, aber ich behaupte ja auch, ich habe definitiv den Job verfehlt…). Ich kriege eine Gänsehaut, wenn ein Autor eine blutrünstige Szene eindrucksvoll beschreibt, aber es darf halt nicht einfach nur so Spladder-Zeug sein. Da les ich drüber weg, weil es mich dann schon wieder langweilt, geht mir bei Filmen aber genauso!

    Ich habe z.B. bei McFadyens Todeskünstler das Buch für eine halbe Stunde zuklappen müssen, als ich an der Stelle war, wo Vater und Mutter aneinander gebunden waren und die kleine Tochter zusehen musste…Wer das Buch kennt, weiß vielleicht, was ich meine. Da hatte ich ein ganz flaues Gefühl im Magen…. Bevor irgendwas wirklich passierte. Das ist eben die Kunst, meine Fantasie auf Hochtouren laufen zu lassen, ich denke weiter und bekomme nicht alles vorgekaut.

  7. Hallo!

    Ich kann die Bücher von Mo Hayder nicht lesen und bei “Hannibal” wurde mir wirklich schlecht. Seit einiger Zeit vermeide ich es, Bücher zu lesen in denen Kinder gequält oder ermordet werden. Ganz schlimm ist für mich der Autor Richard Laymon: Wer das gerne liest, der guckt auch die Filme “Saw 1-??”. Nein, detaillgetreue Folterszenen muss ich nicht lesen um ein Buch spannend zu finden. Mir geht es wohl wie den meisten hier: Es reicht, wenn die Fantasie angeregt wird.

  8. Interessantes, sehr kontroverses Thema, über das ich schon viele Diskussionen geführt habe :-)
    Ich gehöre wohl auch zu den abgehärteten Krimi/Thriller-Leserinnen. Bei mir darf’s blutig und brutal sein. Ich habe wirklich schon vieles gelesen und noch nie ein Buch zur Seite gelegt, weil es mir zu heftig war. Das Problem für mich ist nur: In viel zu vielen Fällen gesellt sich zu den zwei b’s von blutig und brutal noch ein weiteres, nämlich billig. Fast alle der typischen Mainstreamthriller, deren Blutrünstigkeit mit seeligem Gruseln angepriesen wird, finde ich ziemlich mies, aus unterschiedlichen Gründen (Schreibstil, Charakterzeichnung, Handlung, Klischee an Klischee…).

    Tja, und die Frage, ob es nötig ist… Das ist natürlich Ansichtssache. Mich stört, wenn es in einem Buch auf Teufel komm raus möglichst blutig zugehen muss (einmal Buch auswringen, bitte), wenn man den Eindruck gewinnt, dass Folter und Mord in allen Einzelheiten nur beschrieben werden, weil es halt gerade gut ankommt bei den Lesern. Es gibt aber Bücher, die Beklemmung erzeugen – weil sie so real in ihrer Brutalität wirken. Und das sind die Bücher, die ich mag.

    Die Realität wird immer entsetzlicher sein, als alles, was man schreiben kann (Mankell hat mal was in die Richtung gesagt) – wieviel man davon dann in einem Thriller lesen will, bleibt ja zum Glück jedem selbst überlassen.

  9. Nein, nein, kein Blut bitte! Weg, ganz weit weg! Ich mag Thriller aus den besagten Gründen nicht. Deshalb kann ich auch kein Statement zur allgemeinen Entwicklung der Thriller abgeben. So wie ich jeden Sonntagabend den Tatort schaue oder mir auf DVD die französischen Krimis ansehe, lese ich – sofern mich die Lust nach Spannung befällt – einen klassischen Krimi.

    Mit besten krimifreundlichen Grüßen

    Klappentexterin

  10. Wirklich schlimm fand ich beim Todeszauberer so 2-3 Stellen, z.B. als genau beschrieben wurde, wie der Täter das Opfer mit einer Säge bearbeitet hat, wie das Fleisch zerfetzt wurde etc. Mir hätte es gereicht, wenn einfach nur gesagt worden wäre, dass das Opfer an der Hüfte zersägt würde. Die restlichen Sätze hätte man sich mE sparen oder umformulieren können. Das war es halt, was mich gestört hat. Dass Blut fließt, ist in einem Thriller völlig okay. Und die Todesarten im Zauberbuch fand ich auch ziemlich originell. Aber solche Beschreibungen brauche ich halt nicht.

    Wirkliche Splatterromane lese ich ja gar nicht erst und an Mo Hayder und Co. (wo ein Vogel in die Brust einer Leiche eingenäht wird) versuche ich mich gar nicht. Das ist mir zu abgefahren. Der F. ist allerdings großer Fan solcher Romane und wenn er erzählt, wie die Autoren versuchen, sich mit Grausamkeiten zu überbieten, dann kann ich manchmal nur den Kopf schütteln. Aber es ist ja nicht nur in der Literatur so, dass man den Rezipienten (Kunden) immer etwas Neues bieten muss und vieles dann eben einfach heftiger ist.

    Früher habe ich auch brutalere Sachen wie z.B. von Jilliane Hofmann gelesen, aber im Rahmen des Studiums habe ich irgendwann mal einen Rechtsmedizinkurs besucht und gesehen, wie so ein Verbrechensopfer tatsächlich aussieht und jetzt fällt es mir irgendwie schwer, solche Beschreibungen als reine Unterhaltung zu verstehen. Diese Bilder verfolgen mich einfach.

  11. danke für den schönen Beitrag, den ich erst jetzt entdeckt habe! Ich finde es auch ziemlich überflüssig, irgendwelche Leute detailgenau zu massakrieren. Das scheint mir manchmal eher auf sadistische Triebe zu zielen als auf Lesegenuß. Jedenfalls finde ich es interessanter, was Menschen zu was treibt und da ist doch der Krimi das Genre, in dem das ausgekundschaftet werden kann. Ich will auch exterme Bilder nicht in meiner Vorstellungswelt haben, das ist für mich wie geistige Umweltverschmutzung. Herzlich: Elke

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